tag und nacht gleiche

Várblót- das Land erwacht…Frühlings-Tag-und Nacht-Gleiche

Ganz besonders die Landschaft rund um die Bornmühle lässt sich mit dem nordischen Übergangsritual Várblót verbinden – einem alten Opfer- und Übergangsritual vom Winter zum Frühling. Die eiszeitlich geformte Landschaft selbst wird zum heiligen Ort, an dem der Wintergeist verabschiedet und die Rückkehr des Lebens begrüßt wird.

Schamanische Legende in Verbindung mit Várblót

Als das große Eis noch über dem Land lag, war die Welt still, rauh und etwas unwirtlich. Die Hügel, die heute um die Bornmühle ruhen, waren damals die Rücken schlafender Winterriesen. Ihr Atem war Frost, ihr Schritt ließ Täler entstehen.

Doch die Menschen jener Zeit kannten den Rhythmus der Erde. Wenn die Tage langsam länger wurden und das Licht wieder stärker durch die kahlen Zweige fiel, versammelten sich die Hüter des alten Wissens auf den Höhen über dem Tal.

Dort, wo heute der Pfad zwischen den Bäumen hinabführt, entzündeten sie das erste Feuer des Jahres. Dieses Feuer gehörte dem Várblót – dem Opfer für das kommende Leben.

Die Schamanin legte Zweige, Körner und Quellwasser rund um die Flammen. Sie rief die Geister des Eises, die noch in den Hügeln schlummerten, und bat sie, sich sanft zurückzuziehen. Der Winter sollte gehen, ohne Zorn, damit die Erde wieder atmen konnte.

Man sagt, dass in jener Nacht der Wind durch die Bäume strich wie das Flüstern alter Wesen. Das Eis zog sich aus den Tälern zurück, und unter den Blättern begann das Wasser wieder zu fließen.

Seitdem trägt dieses Land die Erinnerung an das Várblót in sich. Jeder Frühling, wenn das Licht über die Felder fällt, der Boden sich erwärmt und Tag und Nacht den gleichen Zeitraum einnehmen, erwacht das alte Versprechen erneut: Selbst nach der längsten Eis- und Winterzeit kehrt das Leben zurück.

Várblót markiert symbolisch den Übergang vom Winter zum Frühling: das Loslassen der Kältezeit, das Ehren der Naturkräfte und das Einladen neuen Lebens. Für die Landschaft rund um die Bornmühle lässt sich daraus ein ruhiges Natur‑Ritual mit einer begleitenden Yogapraxis entwickeln, die Erdung, Reinigung und Aufbruch verbindet.

Adaptiertes Várblót-Ritual für unsere Heimat und Zeit

Dauer: ca. 20–30 Minuten
Ort: ein ruhiger Platz mit Blick über Tal oder Felder, idealerweise am Waldrand wie auf dem Bild.

Vorbereitung

  • Eine kleine Schale mit Wasser (Quelle oder Bach, wenn möglich)
  • Ein paar Körner oder Samen
  • Ein kleiner Zweig oder trockene Blätter
  • Eine Kerze oder kleines Feuer (wenn erlaubt)

Ritualablauf

  • Ankommen und Erdung
    Stelle dich still auf den Boden. Spüre den Boden unter den Füßen. Atme einige Male tief ein und aus. Stelle dir vor, dass unter dir noch die Kräfte der alten Eiszeit ruhen – langsam erwärmend.
  • Ruf der Himmelsrichtungen
    Drehe dich nacheinander zu den vier Richtungen.
    • Osten: Begrüße das neue Licht.
    • Süden: Lade Wärme und Wachstum ein.
    • Westen: Danke dem Wasser und dem Wandel.
    • Norden: Ehre den Wintergeist und bitte ihn, sanft zu gehen.
  • Das Várblót‑Opfer
    Lege Körner, Blumen, Früchte oder Samen auf die Erde. Sprich leise Worte des Dankes für den vergangenen Winter und bitte um Fruchtbarkeit, Klarheit und Kraft für das kommende Jahr.
  • Wassersegen
    Gieße etwas Wasser auf die Erde oder über die Samen. Das symbolisiert das Schmelzwasser der alten Gletscher und den Beginn neuen Lebens.
  • Feuer oder Licht
    Zünde die Kerze an oder lege trockene Blätter ins kleine Feuer. Stelle dir vor, wie das Licht den letzten Frost vertreibt.
  • Abschluss
    Lege die Hände auf dein Herz und auf den Boden. Bedanke dich bei Land, Bäumen und Himmel.

30‑minütige Yogapraxis zum Várblót

Diese Praxis verbindet Erdung (Winter) mit Öffnung (Frühling)- und sie ist eine wunderbare Alternative zum Ritual, wenn Du keine Möglichkeit hast, dieses in der Natur durchzuführen 🙂

1. Ankommen und Atem (5 Minuten)

  • Stehende Meditation (Tadasana)
    Füße hüftbreit, Augen geschlossen.
    Atme langsam durch die Nase ein und aus.
  • Frühlingsatem
    Tiefe Bauchatmung- stelle dir vor, der Atem fließt wie Schmelzwasser durch den Körper.
  • Erdende Sequenz – Winter würdigen und danken
  • Tiefe Hocke (Malasana) – ca. 1 Minute
    Füße etwas weiter als hüftbreit, in die Hocke sinken. Hände vor dem Herzen. Spüre die Verbindung zur Erde. Nutze den Block oder ein Kissen zur Unterstützung.
    • Kindhaltung (Balasana) – 2 Minuten
      Knie am Boden, Stirn auf der Matte oder auf den Händen. Visualisiere die ruhende Erde unter Schnee und Eis.3. Übergang – Schmelzen des Winters (10 Minuten)
    • Katze–Kuh (Marjaryasana–Bitilasana) – 2 Minuten
      Im Vierfüßlerstand den Rücken abwechselnd runden und öffnen. Stelle dir vor, wie gefrorene Landschaft wieder in Bewegung kommt.
    • Herabschauender Hund (Adho Mukha Svanasana) – 1 Minute
      Tiefe Atemzüge, die Rückseite des Körpers verlängern.
    • Sanfter Sonnengruß (3–4 Runden) – ca. 5 Minuten
      Ablauf pro Runde:
      • Einatmen: Arme heben
      • Ausatmen: Vorbeuge
      • Einatmen: Halbe Vorbeuge
      • Ausatmen: Schritt zurück in Kriegerin 1- tiefe Vorbeuge…
      • Einatmen: Brett oder sanfte Cobra
      • Ausatmen: zurück in den Hund
      • Einatmen: nach vorne treten
      • Ausatmen: Vorbeuge
      • Einatmen: Aufrichten… alles zur anderen Seite
    • Niedriger Ausfallschritt (Anjaneyasana)– je Seite 1 Minute
      Öffne die Brust. Diese Haltung symbolisiert den ersten Durchbruch des Frühlings.4. Öffnung – Einladung des Frühlings (3–4 Minuten)
    • Krieger II (Virabhadrasana II) – je Seite 45 Sekunden
      Stabiler Stand, Blick über die vordere Hand. Stärke und neue Energie.
    • Herzöffner im Stand
      Hände hinter dem Rücken verschränken, Brust öffnen, Blick leicht nach oben.
  • Abschluss und Integration (3–5 Minuten)
    • Sitzende Meditation
      Hände auf dem Bauch oder Herzen. Spüre Wärme und Puls.
    • Kurze Visualisation
      Stelle dir vor, unter dir schmilzt das Eis der alten Zeit und Wasser beginnt zu fließen – so wie neue Möglichkeiten im kommenden Jahreskreis.
    • Abschlussgeste
      Hände zum Herzen bringen und innerlich danken: der Erde, dem Winter und dem kommenden Frühling.

Diese Kombination aus Ritual und Praxis verbindet die Kraft der eiszeitlich geformten Landschaft mit dem archetypischen Übergang des Várblót; dem Moment, in dem das Alte geehrt und das neue Leben bewusst eingeladen wird.

Ich wünsche Dir einen wunderbaren Frühlingsbeginn- genußvolle Zeit und alles Liebe!

Kira

OSTARA- Frühjahrs- Tag und Nachtgleiche

 

Es ist die Zeit des Aufbruchs und der Wiedergeburt- in der Zeit vom 20.-23.3. begehen wir OSTARA- die Tag und Nachtgleiche im Frühjahr. Nicht nur im Christentum ist diese Zeit eine wundervolle Zeit- schon seit alten Zeiten begehen die Menschen dieser Tage besondere Rituale- Frühjahrskräuter sammeln, Reinigungsfeuer, es wird Rauchwerk verbrannt…. und viele Bräuche mehr. Diese Rituale und diese Zeit führt uns aus der dunklen Zeit des Jahres in das Licht- alles und jedes strebt zum Licht- die Erde bricht auf und lässt ihre Schätze an die Luft- Blüten, Knospen, Gräser…die Tiere sind in Paarungslaune, alle aufsteigenden Säfte lassen sich nicht mehr unterdrücken.

Mit OSTARA- die Sonne wird im Osten begrüßt- enden die Zeiten der Dunkelheit, aber auch des Versteckens, der Scham und Schuld- lassen wir uns ein auf dieses Licht, welches uns nun begleiten wird und unserem Körper mit der Seele neue Kraft und neuen Raum gibt.

OSTARA- die Zeit für Projekte, Vorhaben, Erneuerungen, Veränderung und Wachstum- du, wir, man hatte Ruhe im Winter, um solche Veränderungen anzukurbeln, zu durchdenken- nun ist es an der Zeit, sie wachsen zu lassen.

Sammeln wir die Kraftkräuter und Knospen, die jetzt direkt vor unserer Nase zu sprießen beginnen- binde dir Kräutersträuße und trockne diese- sie geben Kraft für das ganze Jahr – lasst sie uns gemeinsam segnen in Dankbarkeit für ihre Kräfte- habt Dank ihr lichtvollen Kräuter, habt Dank für eure Führung und Energie!!!

Reinigungsfeuer- überall kann man jetzt schon Osterfeuer entdecken- OSTARA-Feuer sind es richtiger Weise, denn sie stellen die alten Riten dar – nimm die „Schachtel“ mit den alten Lasten und trage sie zum Feuer- verbrenne alles, was dich behindert, einengt und der Kraft beraubt, die jetzt gebraucht wird. So, wie Haus, Hof, Wohnung und Zimmer gereinigt werden, ist es Zeit, die Seele zu reinigen- Fasten, Meditationen, Altes beenden und Neues beginnen- das ist OSTARA.

In manchen Ländern ist es Brauch, die Osterfeuer hoch brennen zu lassen und dann darüber zu springen oder auf den ausglühenden Kohlen/Holzscheiten zu laufen- nun ja, wer das möchte und für die innere Stärke benötigt- es ist manchmal wichtig, einen klaren Schnitt/ Schritt zu tun, auch wenn es Schmerzen bereitet.

Brennen wir uns frei- mit einem richtigen Maß und ohne zu verletzen- ein altes Gebet dafür wäre: „Brinna ta kam- brinna ta kam- brinna ta kam“.

Da war noch was- ja- die Sache mit den Ostereiern bzw. Eiern an sich- entstanden aus der Zeit der keltischen und germanischen Bräuche. Das Ei diente als Symbol der Fruchtbarkeit und Fülle. Nach der Christianisierung war während der Fastenzeit der Verzehr von Eiern verboten- erst an Karfreitag wieder erlaubt, galt es für besonders männlich, sehr viele Eier verzehren zu können- na ja…

Viel schöner fand ich als Kind den Brauch, vor Ostern die eier auszupusten, sie bunt zu bemalen und dann, mit Streichholz und Faden versehen, an das Birkengrün zu hängen. Auch ging ich sehr gerne mit meinem Opa in den Hühnerstall, um dann ein Wettsuchen zu veranstalten- die Hühner legten was das Zeug hielt und wer die meisten Eier gefunden hatte, durfte zwei Frühstückseier bekommen ;)- schön, dass es glückliche Hühner waren- aber es wurden auch immer Eier zurück behalten, um so für die flauschigen Köüken zu Ostern zu sorgen. Ich erinnere noch ganz genau, dass Oma immer rechtzeitig eine Henne zum „Glucken“ gebracht hat und so war es eine Freude zu Ostern die kleinen Flauschknäule zu sehen.

Egal wie, egal wo- erinnern wir uns der alten Zeiten und tragen diese schönen Bräuche in die neue- Aufbruch, Zuversicht und Freude Ihnen und uns allen!

Osterspaziergang- J.W. Goethe- Vor dem Tore(aus FaustI)

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick,
Im Tale grünet Hoffnungsglück;
Der alte Winter, in seiner Schwäche,
Zog sich in rauhe Berge zurück.
Von dort her sendet er, fliehend, nur
ohnmächtige Schauer körnigen Eises
In Streifen über die grünende Flur.
Aber die Sonne duldet kein Weißes,
Überall regt sich Bildung und Streben,
Alles will sie mit Farben beleben;
Doch an Blumen fehlts im Revier,
Sie nimmt geputzte Menschen dafür.
Kehre dich um, von diesen Höhen
nach der Stadt zurück zu sehen!
Aus dem hohlen finstern Tor
dringt ein buntes Gewimmel hervor.
Jeder sonnt sich heute so gern.
Sie feiern die Auferstehung des Herrn,
Denn sie sind selber auferstanden:
Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,
Aus Handwerks- und Gewerbesbanden,
Aus dem Druck von Giebeln und Dächern,
Aus der Straßen quetschender Enge,
Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht
Sind sie alle ans Licht gebracht.
Sieh nur, sieh- wie behend sich die Menge
durch die Gärten und Felder zerschlägt,
wie der Fluß in Breit und Länge
so manchen lustigen Nachen bewegt,
und, bis zum Sinken überladen,
entfernt sich dieser letzte Kahn.
Selbst von des Berges fernen Pfaden
blinken uns farbige Kleider an.
Ich höre schon des Dorfs Getümmel,
Hier ist des Volkes wahrer Himmel,
zufrieden jauchzet groß und klein:
Hier bin ich Mensch, hier darf ichs sein!

 

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