Gua Sha Fa… nur ein Trend?

Hallo im Hochsommer… und damit auch zu einer Zeit, in der bspw. Wind-Symptome an der Tagesordnung sind. Was macht der Mensch zu gerne im Hochsommer bei 30 Grad im Schatten neben dauerhaft Eis essen und kalte Getränke zu sich nehmen- na klar- Durchzug und Klimaanlagen im Dauerbetrieb; extrem lange im See oder Meer schwimmen… alles, wenn es übertrieben wird, Voraussetzungen für eine Wind-Kälte- Symptomatik:

  • Sommer-Erkältung
  • Blasenerkältung
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • „steifer Nacken“
  • Kälte-Kopfschmerz
  • vespannte Muskulatur

Neben der Akupunktur setze ich da eine traditionelle Methode aus der asiatischen Heilkunde ein; aus der europäischen Heilkunde würde ich Schröpfen 😉 … ich bevorzuge GUA SHA FA

ist eine traditionelle asiatische (chinesische) Schabetechnik/Ausstreichmethode, die heute sowohl in der CM-Praxis als auch als angenehmes Selbstfürsorge-Ritual für Gesicht, Nacken und Körper geschätzt wird. Richtig und mit Feingefühl angewandt, verbindet sie Berührung, Wärme und Linderung; schafft damit eine Beziehung zur Gesundheit.

Was bedeutet Gua Sha Fa?

Der Begriff setzt sich aus zwei (chinesischen) Begriffen zusammen:

  • Gua bedeutet „schaben“ oder „ausstreichen“.
  • Sha beschreibt die rötlichen bis punktförmigen Hautveränderungen-Petechien-, die bei der traditionellen, intensiveren Körperbehandlung auftreten können- siehe Foto-
  • Fa bedeutet „Methode“ oder „Technik“.

Gua Sha Fa ist also nicht bloß eine Beauty-Massage mit einem Jade-Stein oder Rosenquarz- wie in der Kosmetik benutzt. In ihrem traditionellen Kontext ist sie eine manuelle Methode, bei der die Haut mit einem geeigneten Werkzeug und etwas Öl wiederholt ausgestrichen wird. Verwendet werden können glatte Löffel, Keramik, Horn- sehr traditionell- oder spezielle Gua-Sha-Instrumente aus Stein oder mittlerweile auch schon in Verbindung mit Rot- oder Blaulicht/EMS elektrisch.

Geschichte und Tradition

Gua Sha gehört zu den überlieferten manuellen Verfahren der asiatischen/chinesischen Volksmedizin und wurde vor allem im häuslichen Umfeld eingesetzt. In vielen Regionen Ost- und Südostasiens finden sich ähnliche Techniken: Familien nutzten sie traditionell bei dem Gefühl von „äußeren Einflüssen“, Frösteln, Muskelverspannung oder auch Erschöpfung.

Aus Sicht der Chinesischen Medizin steht Gua Sha in Verbindung mit dem Aspekt der Bewegung in stagnierende Energie und Blut zu bringen. Wenn der Fluss gestört ist, können sich dies nach dem Verständnis in der asiatischen Heilkunde als Spannung, Schmerz, Schwere oder innere Unruhe zeigen. Durch rhythmisches Ausstreichen sollen Durchlässigkeit, Wärme und Entspannung gefördert werden.

therapeutische Anwendung von Gua Sha Fa – es tritt sogar Blut auf bei starkem „Cha“(Pathogen)- daher darf in der Praxis kein Horn verwendet werden- ich nehme Holzspatel, die nur 1x benutzt werden

Die sichtbare Rötung, die bei intensiver Körper-Gua-Sha entstehen kann, wird in der CM nicht als Ziel einer kosmetischen Behandlung verstanden. Sie ist Teil einer therapeutischen Methode und gehört in fachkundige Hände. Die gute Nachricht: Du kannst es für Deine „Hausapotheke“ lernen… buche Dir dazu gerne bei mir einen Termin.

Wirkweise- Traditionelles Verständnis und moderne Perspektive

Gua Sha wird genutzt, um die „Oberfläche zu öffnen“, die Zirkulation anzuregen und Spannungszustände zu lösen. Besonders Nacken, Schultern und oberer Rücken gelten in der CM als Bereiche, die leicht auf Wind, Kälte, Stress und langes Sitzen reagieren. Aber auch an den Gliedmaßen, den Fußsohlen ist GushaFa möglich; ebenso an der Stirn bspw. bei Kopfschmerzen.

Die Methode kann helfen, die Verbindung zwischen Außen und Innen bewusster wahrzunehmen: Wärme aufbauen, den Atem vertiefen und dem Körper signalisieren, dass er aus dem Alarmmodus herauskommen darf; aber viel wichtiger- das Pathogen Wind…Kälte… wird ausgeleitet und die Symptome gemildert.

Aus moderner Sicht

Sanftes Ausstreichen mit Öl kann die lokale Durchblutung und die Wahrnehmung des Gewebes vorübergehend anregen. Viele Menschen empfinden die wiederholte, langsame Berührung als entspannend, insbesondere bei muskulärer Alltagsanspannung im Gesicht, Kiefer, Nacken oder Schulterbereich.

Für kosmetische Gesichts-Gua-Sha gilt: Es kann abschwellend wirken, weil durch sanfte Massage das Lymphsystem angeregt wird. Es ersetzt jedoch weder natur-medizinische noch dermatologische Behandlung. Aussagen über dauerhafte Gesichtsstraffung, „Entgiftung“ oder eine Heilung chronischer Beschwerden sind nicht professionell und sollten auch nicht beworben werden.

Gua Sha für die Selbstfürsorge zu Hause

Die häusliche Anwendung kann erlernt werden; sie darf leicht, angenehm und achtsam sein. Ziel ist nicht Druck, Schmerz oder eine möglichst starke Rötung. Gerade im Gesicht und am Hals reicht oft ein leichter, sanfter Ablauf. In den asiatischen Ländern lernt jede Mutter die Anwendung dieser Technik für sich und die Familie nach der ersten Entbindung oder die Tradition, oft auch mit „geheimen“ Ölen wird in der Familie übermittelt 🙂

Du brauchst

  • ein sauberes Gua-Sha-Tool mit glatten, unbeschädigten Kanten; sehr gut ggeignet sind auch Keramiklöffel oder ein Holzspatel(Mundspatel)
  • ein hautverträgliches Gesichts- oder Körperöl; auch Sesamöl/Birkenöl/Johanniskrautöl/DiDaWan-Schmerzöl…oder für das Gesicht Hagebuttenkern- oder Rizinusöl
  • ein weiches Tuch zum Reinigen
  • drei bis zehn Minuten ungestörte Zeit

Sanfte Gesichtsroutine

  • reinige Gesicht und Hände gründlich.
  • trage ausreichend Öl auf, damit das Tool ohne Reibung gleitet- ich nehme Hagebuttenkernöl oder Weihrauchöl-
  • streiche vom Kinn entlang der Kieferlinie Richtung Ohr.
  • streiche von der Nasenmitte über die Wangen nach außen.
  • arbeite unter den Augen besonders sanft von innen nach außen; die Haut dabei nicht ziehen.
  • streiche über die Stirnmitte nach außen und vom Haaransatz sanft Richtung Schläfe.
  • Beende die Anwendung mit einigen langen, sehr leichten Zügen seitlich am Hals nach unten bis zum Schlüsselbein- Lymphaktivierung
  • Reinige das Tool anschließend mit warmem Wasser und milder Seife und trockne es sorgfältig.

Nacken- und Schulter

  • Gib etwas Körperöl auf Nacken und Schultern.
  • Streiche mit flacher Toolkante langsam vom Nackenansatz nach außen zur Schulter.
  • Arbeite beidseitig, in ruhigem Rhythmus und nur mit leichtem bis mittlerem Druck.
  • Vermeide die Vorderseite des Halses sowie Wirbelsäule, Knochenvorsprünge und gereizte Haut; ebenso Leberfelcken oder die Anwendung nach Sonneneinstrahlung.
  • Begleite jeden Zug mit einem Ausatmen und wasche Dir anschließend die Hände.
Petechien nach GuaSha bei Migräne in der Reflexzone Leber/Leberzone des Rückens

Kleine Routine für den Abend

Gua Sha kann zu einem Ritual werden: weg vom Funktionieren, hin zum Spüren. Erwärme deine Hände, massiere zunächst kurz Nacken und Kiefer und beginne erst dann mit dem Tool. das gilt auch für die Fußsohlen- besonders für den Bereich zwischen Großzehen- und Zweitzehen-Grundgelenk, dem Bereich der „Sprudelnden Quelle“

Danach lege die linke Hand auf den Herzraum und die rechte auf den Bauch, atme ruhig ein und länger aus. Du kannst dabei innerlich sprechen: „Altes löst sich, Verbrauchtes geht- in meinem Rhythmus und in Frieden“ – Drei bis fünf Minuten genügen. Regelmäßigkeit wirkt im Alltag nachhaltiger als eine seltene, intensive Anwendung.

Sport und Gua Sha Fa

  • Nach dem Training oder Wettkampf ist GuaSha eine wunderbare „Faszien“-Arbeit- die Regeneration ist stärker und Du kannst mit regelmäßiger Anwendung Deine muskuläre Belastung tatsächlich positiv beeinflussen.
GuaShaFa nach starker Belastung im Wettkampf

ACHTUNG!!! Wann Gua Sha nicht in die Selbstanwendung gehört

Bei folgenden Situationen sollte auf Gua Sha verzichtet oder die Anwendung vorab medizinisch beziehungsweise fachlich abgeklärt werden:

  • Akute Entzündungen, Fieber oder unklare Infekte
  • Verletzte, gereizte oder sonnenverbrannte Haut
  • Akne mit entzündlichen Läsionen, Rosazea-Schub oder aktiver Neurodermitis im Behandlungsbereich
  • Frische Operationen, Narben oder ästhetische Injektionen
  • Blutungsneigung, Gerinnungsstörungen oder Einnahme gerinnungshemmender Medikamente
  • Unklare Schmerzen, starke Schwellungen oder neurologische Symptome
  • Krampfadern und entzündete Venen im jeweiligen Körperbereich
  • Schwangerschaft oder chronische Erkrankungen: vorab individuell ärztlich oder therapeutisch abklären

Zum Schluss

Gua Sha Fa ist eine alte manuelle Technik mit ganz viel Tradition, die sich in einer modernen naturheilkundlichen und Selbstfürsorge-Praxis sanft und sinnvoll wiederfinden kann. Als achtsames Ausstreichen mit Öl kann sie Entspannung, Körperwahrnehmung und einen bewussten Moment von Wärme fördern.

Der Mehrwert liegt nicht in spektakulären Versprechen- es gibt eben „keine geheime Zutat“ 😉 , sondern in der Regelmäßigkeit: in der Praxisarbeit mit Sinn und Ziel; im privaten Umfeld ein paar ruhige Minuten Berührung, ein tiefer Atemzug und dem Bewusstsein, dass Selbstfürsorge über Einfachheit in der Methode und ohne teure Mittel beginnt.

Du möchtest GuaShaFa erlernen? Es ist einfacher als gedacht- buche Dir mit Freundin, PartnerIn… einen Termin- in drei Stunden lernst Du eine wirksame Selbstanwendung: über www.spiritandbalance.de/kontakt

Hiermit endet meine kleine Serie über Naturheilverfahren… natürlich gibt es noch viel mehr- Blutegel, Methoden aus der arabischen Heilkunde, Kneipp… ich habe Dir in erster Linie die vorgestellt, die ich in meiner Praxis anwende 🙂

Exkurs auf die nächsten Wochen und Monate: es geht weiter mit den ätherischen Ölen; jede Woche bekommst Du ein Rezept für die häusliche Anwendung und ganz viel Hintergrundwissen- ich freue mich, wenn Du hier bleibst und vielleicht auch meine Beiträge empfiehlst oder teilst- danke!

Alles Liebe-Kira

Gua Sha Schaber aus Jade

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