Genussmittel- Mittel zum Genuss…

und keine Lebensmittel für den täglichen Gebrauch. Heute geht es um den Kaffee. Noch vor einigen Jahren zählte der Bohnenkaffee zum Sonntag als etwas Besonderes, im Alltag wurde eher Getreidekaffee bzw. Tee getrunken. Damit hatte dieses wunderbar duftende Getränk natürlich einen besonderen Zauber- oft war damit der Besuch bei den Großeltern oder eine Feierlichkeit verbunden… oder eben einfach nur Sonntag, ein Tag für die Familie. Heute jedoch ist der Kaffee morgens, mittags, abends eine Selbstverständlichkeit und er hat seinen Zauber verloren.

Schauen wir uns den Kaffee doch einmal aus Sicht der CM an!

Der geröstete Bohnenkaffee (ob mit Koffein oder ohne, aus chinesischer Sicht gibt es keinen Unterschied, was die Wirkungen auf den Organismus betrifft) gehört in unseren Breiten zu den alltäglichen und sehr stark stimulierenden Getränken. Nur wenige Menschen nehmen Kaffee noch als das, was er ist- ein Genussmittel. In den asiatischen Ländern spielt Kaffee eher eine untergeordnete Rolle(außer in den Großstädten). Aus Sicht der Chinesischen Medizin gibt es positive und negative Wirkungen und es sind folgende Merkmale/ Eigenschaften des Kaffees festzustellen: Kaffee…

  1. …stärkt (kurzfristig) die Energie Qi des Herzens XIN – ein Stimulie, das schnell auflädt und noch schneller entlädt, und was noch schlimmer ist – es entzieht auch Energie… es wäre so, als wenn Sie den Grill mit einem Brandbeschleuniger anheizen. Kaffee schwächt durch das starke Yang das Yuan-Qi- die Nieren-Energie SHEN JING. Das Herz stellt den Kaiser dar, die Nieren die Minister. Die beiden Feuer beeinflussen und ergänzen sich gegenseitig- beeinflussen sich aber auch negativ bei zu starker Stimulation.Wie lange kann ich „Brandbeschleuniger“ vertragen, ohne dass es mich schädigt? Kaffeejunkies kommen in eine Abhängigkeit ähnlich wie bei Drogen und dann stellen sich Entzugserscheinungen ein:Konzentrationsstörungen und Denkstörungen, Gereiztheit, Schlaflosigkeit, Unruhe, Vergesslichkeit, die Beklommenheit, Herzklopfen …
  2. …erhöht die Hitze im Magen WEI  -Kaffee wird geröstet, trocknet aus und erhitzt, damit bringt er Hitze und Trockenheit auch in den Magen  WEI. Der Magen braucht zu seiner optimalen Funktion genügend Flüssigkeiten YIN, wie eine Fahrradkette, die ausreichend Öl benötigt. Bei Trockenheit und Hitze im Magen  werden Erkrankungen begünstigt: Geschwüre, chronische Magen- und Darmentzündung, Verstopfung, Sodbrennen, Mundgeruch…
  3. …unterstützt die Stagnation der Energie im Leberfunktionskreis GAN – bedingt durch die Hitze und Trockenheit. dies führt zu einem verlangsamten Fluss der Enrgie Qi, was nachfolgend eine Stagnation der Leber-Energie begünstigt und erzeugt. Dies kommt z.B. durch Herzerkrankungen (Hypertension, Infarkt, Angina pectoris), durch Kopfschmerzen, durch Schilddrüsenkrankheiten, durch psychosomatische Krankheiten, Migräne oder andere Kopfschmerzen … zum Ausdruck.
  4. … er verletzt bei Frauen den Chong Mai- einen Sondermeridian, der für die Empfängnis ausschlaggebend ist – durch einen ähnlichen Mechanismus wie unter 3. beschrieben, stagniert die Energie und der Blutfluss im Bereich des Lebermeridians, welcher den Uterus durchdringt, und im chong Mai. Die Beschwerden treten in der Praxis heute sehr oft in Erscheinung und zeigen sich entweder im Bereich des Uterus und der Eierstöcke wie  bspw. durch Myome, Polypen, Zysten, Endometriose, funktionelle Sterilität, Ausflüsse, Entzündungen und Menstruationsbeschwerden (schwache Blutung, schmerzhafte oder unregelmäßige Menstruation…). Oft treten die Symptome auch an den Brüsten in Erscheinung— verschiedener Zysten, Fibrome, Mastopathien, Tumore (bösartig und auch gutartig), durch Schmerzhaftigkeit der Brüste und in der Gesamtheit als PMS(siehe Beitrag dazu).
  5. …schwächt (langfristig) das Yang der Nieren SHEN  – durch langfristigen und exessiven bzw. regelmäßigen Konsum kommt es zu jenem unerwünschten Ausbrennen, das unter 1. beschrieben wird. Der Körper läuft ähnlich wie ein Motor ständig auf Hochtouren und überhitzt… Dies kommt durch mentale oder  psycho- somatische Beschwerden- konzentrationsstörungen, Depressionen, Neurosen, Schlaflosigkeit…- zum Ausdruck.
  6. …bringt die Feuchtigkeit aus den Lungen FEI  in Fluss und unterstützt die Verdauung Feuchtigkeit wird aus dem Lungenmeridian(der Lunge) FEI abgeleitet, damit wird das Harnen unterstützt, was in einigen Fällen (z.B. bei Ödemen im oberen Sanjiao oder bei stagnierendem Wasser in den Lungen) positiv zu sehen ist…und er bringt die Hitze in den Magen, wenn dort Kälte und Feuchtigkeit die Nahrungsverwertung blockieren, jedoch ist er kein Fettbrenner bei korpulenten Patienten mit dem Syndrom der feuchten Hitze.

Wann verbietet sich Bohnenkaffee?

  1. Auf nüchternen Magen – das ist wie Benzin ins Lagerfeuer schütten, der Magen glüht aus und reagiert irgendwann mit Sodbrennen und Magen-Hitze(Magengeschwüre, Magenkarzinom, Verdauungsstörungen, Reizmagen…)
  2. Bei Magengeschwüren und bei sämtlichen Magenerkrankungen- Kaffee erhöht die Hitze RE und damit auch die Entzündung.
  3. Bei Feuchtigkeit und bei Hitze in der Leber Gan und in der Gallenblase DAN – bitterer Geschmack, Gefühl der Hitze und der Schwere im Körper, Schmerzen unter den Rippen, gerötete und fette Haut, gerötete Augen, dunkler und übel riechender Urin, Gereiztheit bis Wutausbrüche, Hypertension, Gallenblasen- oder Nierensteine.
  4. Bei der stagnierenden Energie Qi in der Leber GAN- gekennzeichnet durch häufige Stimmungswechsel, innere Unruhe, Gereiztheit, Druck auf der Brust, Gefühl eines „Kloß“ im Hals, häufiges Seufzen oder Gähnen, Blähungen, PMS- der Kaffee wirkt hier wie ein Schnellkochtopf- der Druck, die Hitze erhöhen sich bis ins Unerträgliche.
  5. Im Klimakterium – Kaffee erhöht Hitze und Austrocknung, bzw. führt zu Schlafstörungen und stärkeren Symptomen.
  6. In der Schwangerschaft – der Kaffee  erhöht das YIN- das Baby wird dann ungenügend ernährt.
  7. Bei Yin- Mangel- Nervosität, Nachtschwitzen, Hitze der Hände und Füße, Schlaflosigkeit, trockene Haut, Verstopfung mit trockenem Stuhl – das fehlende YIN stellt vergleichweise das fehlende Motorenöl dar, was zu einer Überhitzung des Motors führt- Kaffee verstärkt dieses Symptom,
  8. Beim Mangel an Blut XUE – gekennzeichnet durch Blässe, unscharfes Sehen, Schwindelgefühl, Kribbeln der Extremitäten, splitternde Nägel, herabgesetzte Konzentration, Vergesslichkeit, Schlaflosigkeit, schwache Menstruation, niedriger Blutdruck – ähnlich wie beim Yin-Mangel kommt es auch hier zum „Austrocknen“ des ohnehin ungenügenden Blutes XUE bzw. der Kaffee würde wieder “ nur Öl ins Feuer gießen“ und somit einen Teufelskreis in Gang setzen,
  9. Yang- Mangel der Nieren- mit kalten Extremitäten, Kältegefühl der Lendenregion, Schwäche bei sexuellen Funktionen, häufiges Wasser lassen von größeren Mengen hellen Urins, Müdigkeit und Erschöpfung bei jeder geringfügigen physischen Belastung, spontanes Schwitzen – wenn man erschöpft ist und die erwähnten Symptome der Kälte hat, stimuliert uns der schwarze Kaffee kurzfristig , denn er regt die Energie Qi des Herzens XIN  kurzfristig an und mobilisiert das ungenügende Yang der Nieren SHEN, aber langfristig erschöpft das regelmäßige oder übermäßige Trinken von Kaffee das Yang der Nieren SHEN, denn Kaffee wirkt harntreiben. Hier wäre ein Tee aus getrocknetem Ingwer und mit Zimt das wesentlich bessere Getränk mit langsam aufbauender Wirkung.

Die richtige Zubereitung- ein Vorschlag

Damit wir die negativen Wirkungen des schwarzen Kaffees auf unseren Organismus möglichst gering halten,  –empfielt sich, Milch(Sahne) und etwas Zucker in den Kaffee zu geben- alle diese Zutaten reduzieren den austrocknenden Effekt des schwarzen Kaffees. Milch, Sahne und Zucker in Maßen wirken befeuchtend auf den Organismus. Für unsere Gesundheit ist auch die Zugabe von etwas Kardamom wichtig, dieser nimmt dem Kaffee die Aggressivität für den Magen. Gemäß der chinesischen Medizin bringt Kardamom die stagnierende Energie Qi  in Fluss, scheidet die schädliche Feuchtigkeit SHI aus und stärkt den mittleren Erwärmer ZHONG JIAO. In den asiatischen Ländern, vor allem im Indien und im arabischen Raum gehört Kardamom immer zum guten Kaffee dazu.

Was ist mit Getreidekaffee?

Dinkelkaffee- erwärmt den mittleren Sanjiao (Milz und Magen), leiten die schädliche Feuchtigkeit SHI ab (wirkt trocknend), erwärmt das Herz XIN und die Milz PI, aber deutlich mäßiger und langsamer als Bohnenkaffee. Die Einnahme und Alternative von Getreidekaffee, besonders Dinkelkaffee, wird bei Energiemangel der Milz PI , bei Mangel an Energie Qi des Herzens Xin, bei ungenügendem Yang der Nieren SHEN , bei übermäßiger Feuchtigkeit SHI im Organismus empfohle bzw. sogar als Medizin verordnet. Mit etwas Zimt oder Kardamom wird die positive Wirkung verstärkt und gibt dem Getränk eine leichte angenehme Würze. Die Getreidekaffees sollten bei einem Yin-Mangel, bei ansteigender Hitze der Leber GAN, bei feuchter Hitze Shi und bei stagnierendem Qi der Leber GAN  nicht getrunken werden.

Als das ideale Frühstücksgetränk empfehle ich immer einen Sud aus Yi yi ren(Hiobstränen), welches die hervorragende Eigenschaft hat die Energie der Nieren SHEN, als auch die Energie der Milz PI zu stärken und zugleich die schädliche Feuchtigkeit SHI aus dem Organismus auszuscheiden. Das Getränk schmeckt leicht nach Getreide und bereitet den Organismus optimal auf die Verdauung der Nahrung vor. Außerdem schenkt es gesunde Energie. Aber auch Dinkelkaffee- was schon Hildegard von Bingen in unseren Breiten wusste- stärkt in Maßen genossen die Mitte.

Finden Sie das richtige Maß: “ Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel.“ Konfuzius

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