Herzlich Willkommen zur neuen Woche und der kleinen Fragerunde… Wie wird eine posttraumatische Belastungsstörung in der chinesischen Medizin diskutiert?

Was für ein schweres Thema- Betroffene erwischt es oft nach sehr starken, mentalen Belastungen. Sie können nicht mehr fühlen, ihre Empfindungen sind wie eingefroren, da sind Flash-Back’s, sie fühlen sich erschöpft und trotzdem unruhig- da sind Bilder im Kopf, die sie ängstigen, die sie nicht schlafen lassen; sie fühlen sich gereizt und wissen nicht warum; alles was mal Freude gemacht hat verliert sich in Gleichgültigkeit- Familie, Freunde, ParterIn, Arbeit…Situationen werden gemieden; Tätigkeiten werden nicht mehr ausgeführt- alles, was an das Ereignis erinnert, möglichst vermieden.

Wo ist die Helligkeit/ Leichtigkeit des SEIN’s?

Diese SHEN-Störung- Shen- der Geist- tritt häufig nach Auslandseinsätzen in Kriegsregionen, nach schweren Erkrankungen, Unfällen, nach der Konfrontation mit dem Tod, nach starken mentalen Belastungen, Straftaten… auf- die Diagnose ist nicht immer leicht zu stellen- und wenn sie dann feststeht- was dann?

In der chinesischen Medizin werden die Symptome mit dem „Wind“ verglichen- eher ein Sturm, der den Körper heimsucht und aus dem Gleichgewicht bringt. Stellen Sie/ stellt Ihr Euch vor, dass sich aus heiterem Himmel eine Gewitterzelle und ein Sturm plötzlich direkt über Euch entlädt- Ihr könnt nirgendwo hin, seit dem schutzlos ausgeliefert- der Körper pumpt sich mit Adrenalin voll und trotzdem fühlt Ihr Euch machtlos, hilflos, voller Angst- und Ihr müsst da trotzdem durch… und da es kein HERAUS aus der Situation gibt, kommt es in der Endkonsequenz zu einer massiven Stagnation des Qi- die Lebensenergie kann nicht mehr frei fließen… dies ist neben innerem, aufsteigenden Wind und Yang das dritte Hauptsymptom.

Alle Emotionen werden mehr oder weniger unterdrückt bzw. gewinnen die Oberhand und irgendwann- oft sehr schleichend- stellt sich ein körperliches und mentales Ungleichgewicht ein- es sind vor allem die Emotionen Angst- Niere-Wasser; Freude-Herz-Feuer; Traurigkeit/Trauer-Lunge-Metall und Wurt/Zorn-Leber- Holz, die diesem Ungleichgewicht das Gesicht geben.

In der ganzheitlichen Medizin und hier der asiatischen Heilkunde/ chinesischen Medizin wissen wir, dass die konstitutionelle Prägung der Persönlichkeit eine wesentliche Rolle spielt. Beobachtungen und auch Studien haben ergeben, dass manche Menschen so etwas wie einen „Notfall-Besteck“ für das Verarbeiten traumatischer Erlebnisse bei sich tragen. Die Instrumente dieses wurden vordem, meist unbewusst, „parat gelegt“. Hierzu zählen: Meditation, Atemtechniken, Glaubensbekenntnisse und Gebet, Sinnfindung, mentale Stabilität durch Sicherheit in der Ausbildung, der Familie.

„Innerer Wind“ führt häufig zum unkontrollierten Aufsteigen von Leber-Yang oder Gallenblasen-Yang- es treten Schlafstörungen auf (Zeit 1-3 Uhr in der Nacht), Herzrasen; Magenschmerzen- Leber greift den Magen an/ Qi-Stagnation, unspezifische Ängste, unspezifische Schmerzen- Qi-Stagnation- im oberen Körper… und Vieles mehr.

Nicht-Aushalten

Die Trauma-Therapie in der asiatischen Heilkunde und chinesischen Medizin basiert auf einem Grundsatz von Albert Einstein: „Ein Problem kann nicht auf der Ebene gelöst werden, auf der es entstanden ist“- ergo… wir müssen zwingend die Wurzel mitbehandeln.

Ich arbeite mit den Betroffenen, indem ich mit dem „Herzen höre“, mit Methoden aus der Akupunktur – hier der speziellen SHEN-Akupunktur, mit individueller Kräutermedizin, dem Heilatmen, der Meditation, dem speziellen Yoga und/oder QiGong und … dank meiner Ausbildung in der Forensik und psychologischen Beratung auch mit Gesprächstherapie.

Kräutermedizin bei PTBS- individuell, Hilfe zur Selbstregulation

In der Akupunktur wähle ich bewußt die Ein-Nadel-Technik auf den Ebenen: Himmel- Mensch-Erde;

…ganz besonders werden Akupunkturpunkte genutzt, die einen direkten Bezug zur Seele, dem Herzen, dem Tor zum MENSCHEN haben:

Herz 3 – ShaoHai- lebe Dein Leben und genieße Freude
  • lässt die echte Emotion des Herzens – die Freude und Liebe – wieder erblühen. ShaoHai ist der Wasserpunkt des Herzens, aktiviert den Kontrollzyklus vom Wasser zum Herzen (Feuer), er wird nicht umsonst die „Vitalachse des Lebens“ genannt. Das Feuer wird somit auf eine gesunde „Flamme“ eingestellt, die lodernd genug ist, um mit Freude und Energie zu leben, aber keine „Hochschlgen“ durch Öl oder Benzin und damit Ängste und Schmerzen verursacht.
Gallenblase 15 – TouLinQi- Tränen-Treppe oder der Abstieg der Tränen
  • aktiviert sowohl den notwendigen Tränenfluss, aber stoppt auch den unaufhörlichen sichtbaren oder inneren Fluss der Tränen; wie immer in der Chinesischen Medizin geht es um ein gesundes Gleichgewicht, d. h. jedes Extrem (zu viel oder zu wenig Tränen) kann behandelt werden. Emotionen sollen gefühlt werden, dies ist beim Wegdrücken (keine Tränen) genauso wenig möglich, wie beim unaufhörlichen Weinen.
Lunge 10 -ShaoShang– Raum des SEINS/ WESENS
  • ergibt das (WIEDER)-Herstellen der eigenen Identität, das Finden seines authentischen Platzes, lässt den Betroffenen seinen Raum aus- und erfüllen.
RenMai 8 -ShenQue– das goldene Tor zum Palast des SEINS
  • ist unser emotionalster Punkt- der Bauchnabel; der aber nicht mit Nadeln behandelt wird, sondern mit Moxa oder Kräuterkompressen. Die Behandlung lässt häufig emotionale Ausbrüche entstehen, die eine reinigende und somit heilende Wirkung haben; es wird hier mit Salz-Moxa gearbeitet, um die überbordende Emotion Feuer durch die Stärkung der Nierenenergie in ein normales Maß zu bringen.
DuMai 11-ShenDao – Göttlicher Weg, Sinn, Richtung
  • liegend unter dem 5. Brustwirbelkörper; hat über die austretenden Nerven einen direkten Bezug zum Zwerchfell und dem Herzraum; hilft dabei, den eigenen Sinn des persönlichen Lebensweges zu erkennen; gibt dem Betroffenen/ der Betroffenen die Hoffnung und das Bewusstsein, dass alles seinen Sinn hat und macht.
Magen 36 -ZuSanLi– Gleichmut, Kretives des Göttlichen und der Weiler des Menschen

. ist der wahrscheinlich am häufigsten benutzte Punkt für das seelische Gleichgewicht; er gibt Entspannung und Gleichmütigkeit, besitzt dennoch viel Kraft als Oase des Qi; er aktiviert und bringt uns in unsere Mitte, zentriert und erdet- vor allem, wenn der Boden unter den Füßen weggerissen wurde.

Dazu werden die Shen-Punkte auf dem Blasen-Meridian am Rücken genadelt, gemoxt oder mit GuaShaFa behandelt; es sind Bereiche, die speziell unsere Seele ansprechen.

Alle Akupunktur-Punkte, die den „inneren Wind“ beruhigen, Ängste lösen, Unruhe abbauen ergänzen und vervollständigen die Rezepturen in der Behandlung.

…bei innerer Unruhe und Angst

Das Symptom-Bild der posttraumatischen Belastungsstörung ist sehr umfangreich- wichtig ist hier keine standardtisierte, sondern eine individuelle Behandlung- mit dem Ziel- Raus aus dem Teufelskreis...

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es bei der emotionalen Behandlung von Trauma-Patienten so wichtig ist, die Selbstliebe zu (re)-aktivieren. Dieses Recht ist für viele der Betroffenen nicht selbstverständlich. Der freie Fluss des Qi und eine Ruhe im Herzen sind dafür unabdingbar!

Auch die Wahrnehmung von Grenzen – sowohl auf körperlicher als auch emotionaler Ebene – ist wichtig. Nur wer die Grenzen wahrnehmen und akzeptieren lernt, kann sie auch beachten, seinen eigenen Raum ausfüllen und sich davor schützen, dass jemand anderes oder ein Ereignis in den eigenen Raum eindringt.

Erst wenn dieser Aspekt wieder vorhanden ist, wird es wieder einfacher und möglich, die Lebensfreude zu erlangen und zu steigern.

Begleiten- Auffangen und gemeinsam den Weg gehen, um bspw. an einem Kreuzweg wieder die richtige Richtung zu bekommen.

PTBS- ein ernstes Thema in dieser Zeit!

Bleibt gesund und alles Liebe wünscht Euch

Kira

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