Neue Woche, neue Frage- wie wird Orthorexia nervosa in der chinesischen Medizin diskutiert?

Viele werden sich jetzt fragen, was das wohl ist… es ist keine Magersucht, sondern das z w a n g ha f te und v e r s t ä r k t e Beschäftigen mit ausschließlich „gesunden“ Lebensmitteln und dessen Konsum.

Krankhafte Gesundesser weisen ein sehr strenges Essverhalten auf. Hierzu zählen neben der Fixierung auf das ausschließlich gesunde Essen und dem Vermeiden von ungesunden Lebensmitteln eine ständige (gedankliche) Auseinandersetzung mit gesunder Ernährung sowie das Aufstellen von Ernährungsregeln und deren strikte Einhaltung von Zeit, Lebensmitteln, Getränken…. Die Qualität der Lebensmittel ist dabei das entscheidende Auswahlkriterium. Hierbei ist nicht das „Bio-Siegel“ gemeint, sondern bspw. ausschließlich Rohkost, ausschließlich pflanzlich basierte Nahrung…

„Krankhaftes Gesundessen“ widmet sich weniger dem Zählen der Kalorien, dem Abnehmen und dem Körpergewicht, wie es bei anderen Essstörungen zu beobachten ist. Die Gedanken kreisen vielmehr ständig und auch in jeder Lebenslage um den Gesundheitszustand und den Verzehr nur vermeintlich „gesunder“, natürlicher und unveränderter Lebensmittel (ernährungsphysiologischer Wert). Genuss oder ehemalige persönliche Vorlieben, z.B. Lieblingsspeisen, bleiben dabei auf der Strecke. Das Essverhalten verändert sich über einen längeren Zeitraum. Nach und nach werden die Betroffenen immer unflexibler und orientieren sich nur noch zwanghaft an gesunden Nahrungsmitteln- die oft fatale Folge sind soziale Isolation und auch gesundheitliche Schäden- eine Mangelsituation ist dadurch oft vorprogrammiert; oft werden die unter Umständen notwendigen Substitutionen von Vitaminen und Spurenelementen – da nicht unbedingt natürlich- abgelehnt.

Bitte nicht falsch verstehen- es geht nicht darum, sich sinnvoll mit der eigenen Ernährung auseinanderzusetzen und ggf. kritisch das eigene Essverhalten zu überprüfen, besonders wenn Krankheiten oder Symptome bestehen(Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Gicht, Rheuma…)- schließlich wissen wir aus der Naturheilkunde, dass typgerechtes Essen tatsächlich Medizin ein kann 🙂

Symptome, die auf eine Orthorexia nervosa hinweisen können :

  • Die Gedanken drehen sich ständig um – aus der eigenen Sicht- gesundes Essen und Ernährung;
  • Die eigene Ernährungsweise wird als die einzig richtige gesehen- die Betroffenen fühlen sich anderen moralisch überlegen und „belehren“ ständig;
  • Steigerung des Selbstwertgefühls durch gesunde Ernährung- „Ich tue alles, um gesund zu bleiben…“;
  • Gefühl der Reinheit und Kontrolle, wenn alle Regeln eingehalten werden- „Ich bestimme, was mir gut tut und habe alles im Griff“;
  • Versagens- oder Schuldgefühle, wenn die Ernährungsregeln gebrochen werden- „Schon wieder schaffe ich es nicht, etwas wirklich einzuhalten“;
  • Belehrendes und missionarisches Bevormunden gegenüber Familie, Freunden, Bekannten und teilweise Ignoranz und Arroganz gegenüber anderen;
  • Viele Nahrungsmittel werden als tabu eingeschätzt, weil sie möglicherweise als „ungesund“ bewertet werden bzw. wurden(Magazine, Social Media…) und nicht der eigenen Vorstellung von „gesund“ entsprechen;
  • Die Liste „verbotener“ Nahrungsmittel wird ständig größer, selbst tatsächlich gesunde Lebensmittel- in Maßen konsumiert- werden verteufelt;
Flammkuchen mit viel Gemüse; aber der Käse wird als „ungesund“ eingestuft
  • Strafen, „Bestrafen“ (Fasten oder bspw. reine Rohkosttage) werden als sinnvoll angesehen, um vermeintliche Fehler auszumerzen;
  • Genuss und Vorlieben werden immer mehr vermieden,alles was zählt ist „gesunde Nahrung“
  • Soziale Vereinsamung bis hin zur Isolation, z.B. keine gemeinsamen Essen, Ablehnen von Einladungen, das Vermeiden von Essen bei Feierlichkeiten oder auch hier die zwanghafte Kontrolle beim Essen
Einsamkeit- gefangen im Gedankenkarussell

Die chinesische Medizin sieht dies folgerdermaßen:

  • Emotionen werden kompensiert; es besteht häufig eine langanhaltende Leber-Qi-Stase, die sich aus Unzufriedenheit oder Traurigkeit/ Ärger… ergeben hat;
  • Das Herz als Sitz des Geistes wird häufig nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt(Mangelernährung); immer dann wenn bspw. der Anteil an Kohlenhydraten in der täglichen Nahrung zu niedrig ist- Herz-Blut-Mangel entsteht;
  • Das Leber-Yang kann unkontrolliert aufsteigen- die Folge sind bspw. öfter auftretende Kopfschmerzen; Schlafstörungen…
  • Es erfolgt oft ein massiver Gewichtsverlust- viel zu schnell und zu stark; dadurch entstehen Müdigkeit, Mangel an Muskulatur und Kraft/Energie- auch dies eine Folge von Blut-Mangel und Schwäche im Milz- Qi

Behandlungsmöglichkeiten:

Den Geist beruhigen- Akupunktur an YinTang
  • Akupunktur- hier besonders mit SHEN- Akupunktur; aber auch mit Punkten, die dem Blutaufbau und der Auflösung der Qi-Stase dienen;
  • Kräutermedizin, um den Geist zu beruhigen und das Blut auszubauen
Kräutermdizin zum Blutaufbau
  • sinnvolle Gesprächs- und Verhaltenstherapie…
  • Meditation
  • Qi Gong- und Yogatherapie
  • …….

Eine sinnvolle und typgerechte Ernährungstherapie darf nicht fehlen, da im Rahmen der Behandlungen ein gesundes Verhältnis zur Ernährung entsteht und Genuss und Freude wieder in den Vordergrund rücken- vom Betroffenen/ der Betroffenen wird erkannt, dass bsp. ein ayurvedisches oder asiatisches Ernährungsprinzip nicht auf generellen Verboten, sondern auf einer typgerechten Ernährung mit sehr gut geeigneten Lebensmitteln bzw. Lebensmitteln, die nur sehr maßvoll auf Grund der eigenen Energetik konsumiert werden sollten, besteht…

Ein geschätzter Kollege von mir hat es mal ganz treffend formuliert:“ Lieber eine Bratwurst aus guten Zutaten mit Genuss und Ruhe verzehrt, als ein Rohkost-Salat in Hektik und mit Widerwillen.“

….und dem ist nichts weiter hinzuzufügen- warum aber nicht beides miteinander verbinden 😉 – denn es geht beides!!!

Habt Freude und Genuss beim Essen! Achtet auf ein gutes Maß an regionalen und saisonalen biologischen Lebensmitteln und genießt auch maßvoll Süßes oder Herzhaftes!

Alles Liebe und einen guten Wochenstart wünscht Euch

Kira

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